
Leben im Bach
Heiiii, hier geht die Post ab.
Eben bin ich mit anderen Wassertropfen aus den Wolken gefallen, direkt in einen Bach hinein. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie sich alles um mich herum veränderte.
Aber lasst mich der Reihe nach erzählen von meiner turbulenten Reise durch den Thüringer Wald.

Gleich nach meiner Landung im Bach wurde ich von der Strömung herumgewirbelt und weggerissen.
Hinter einem großen Stein wurde es etwas ruhiger und ich konnte mich umsehen.
Kleine Tierchen hielten sich mit dem Hinterleib an Steinen fest. Auf dem Kopf hatten sie ulkige Antennen, die sie in die Strömung streckten.
Dann entdeckte ich platte, glibberige Wesen, die langsam über die Steine krochen. Plötzlich riss mich die Strömung wieder mit fort.

Ich landete neben gepanzerten Tierchen. Sie machten sich ganz flach, um nicht abgetrieben zu werden.
Einige fraßen die Algen von den Steinen ab, andere gingen auf Jagd.
Schon wieder nicht aufgepasst und schwupp, ging’s weiter. An einem Steinröllchen konnte ich mich festhalten.
Plötzlich bewegte sich das Röllchen und an einem Ende guckte ein Kopf heraus.
Hu, nichts wie weg, dachte ich.
Auf der Wurzel einer Erle konnte ich mich ausruhen. Hier wurde es richtig gemütlich.
Ich schaute nach oben. Tierchen flitzten wie Schlittschuhläufer auf dem Wasser umher.
Zwischen den Wurzeln meiner Erle hatte sich eine Forelle versteckt und lauerte auf vorbei schwimmende Beute.
Unter mir, auf dem Grund des Baches, war es zwischen abgesunkenem Laub etwas muffig.
Seltsame halbmondförmige Wesen schnippten sich voran und fraßen von den Blättern.
Es waren Bachflohkrebse.

Und weiter ging die Reise.
Immer in Bewegung. — So ist mein Leben als Wassertropfen.
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