
Klima
Klima
Auszug aus: Ringler, 1999*
Das Gebirge liegt im Übergangsbereich des atlantischen zum kontinentalen Klima, hat aber als massiver Querriegel zur regenbringenden Hauptwindrichtung (SW) selbst erheblichen klimabildenden Einfluss. Es bewirkt Stau- und Föhneffekte und trennt als Klimascheide eine maritim getönte Luv- von einer kontinentaler getönten Lee-Seite (Nordostabdachung).
Die Westwetterlagen des Nordatlantiks schwächen sich hinter dem Gebirgsübergang ab. Winterliche Hochdruck- und Südwestwetterlagen des Kontinents nehmen an Einfluss zu.
Die deutliche klimaregionale Differenzierung ist von Bedeutung, da sie mit unterschiedlichen Vegetationsausbildungen, z.T. auch Nutzungstraditionen, einhergeht.
Das bewegte Relief bedingt charakteristische Geländeklimaunterschiede, ganz unterschiedliche Abschattung bzw. Besonnungsdauer, Einstrahlungsintensität, Kaltluftabströmungen und -staue, Berg- und Talwindsysteme.
Weitere Angaben dazu siehe ELLING & al. (1976), HÄCKEL (1985) u. a.
Klimagebiete
Kammlagen über 800 m ü. NN (Region um Beerberg, Schneekopf , Schmücke, Großer Finsterberg, Großer Eisenberg): Sehr raues Kammklima mit hohen Niederschlägen, einem geringen Jahrestemperaturmittel, kurzer Vegetationsperiode und häufigen Starkwinden. Anzeichen der "Waldauflösung" z.B. auf dem Großen Beerberg und dem Schneekopf sind wohl auch stark klimabedingt (natürlicher Gipfeleffekt; vgl. waldfreie Gipfelregion des Harzer Brocken, liegt nur wenig höher).
Höhengürtel 650 -800 m ü.NN: Stark wind- und schneebruchgefährdeter Höhengürtel, je nach Reliefgestalt, Luv- und Lee-Region allerdings sehr unterschiedlich; vor allem die wenig reliefunterteilte Westabdachung sehr ausgesetzt, östlich anschließenden Hochlagen und obere Talbereiche günstiger (leeseitige Hochlagen z.B. im Raum Seiffartsburg, nordöstlich des Großen Finsterberges und um den Fürstenberg). Im Raum Schmiedefeld mildern die bis in die Hochlagen reichenden Taleinsenkungen das raue Höhenklima. Plateaulagen wie Großer Burgberg und Neustadt/Rstg. allerdings sehr ungünstig.
Mittlere Berglagen 450 - 650 m ü. NN: das hier besonders gegensätzliche Relief differenziert exponierte, ungeschützte und geschützte Regionen; kaum Plateaus; für Fichte noch z.T. optimale, für Buche z.T. günstige Wuchsbedingungen; Reservatsrandlagen z.B. Suhl/Friedberg relativ wetterexponierter als ostwärts anschließende Talsysteme (dort nicht nur für Buche (dominierend im Bereich hoher Niederschläge und abgemilderter Windeinwirkung), sondern auch für Weiß-Tanne und Edellaubhölzer günstige Klimabedingungen. Abgemildertes Klima auch im Lee-Bereich der NE-Abdachung, z.B. um Stützerbach, Geratäler, Wohlrosetal.
Untere Berglagen unter 450 m ü. NN: Nur geringe Flächenanteile im BR (N Breitenbach, Erlau und Hirschbach, am NO-Rand ein kleines Gebiet südlich von Ilmenau/Langewiesen) leiten zum Vorlandklima über; temperaturbegünstigt und zusätzlich durch die Reliefgliederung geschützt; günstige Laubbaum-Wuchsbedingungen, sogar Linde und Eiche treten häufiger auf.
Die Dauer der Vegetationszeit beträgt
- in den Kammlagen 110 - 120 Tage
- in den Hochlagen 120 - 130 Tage
- in den Mittleren Berglagen 130 - 140 Tage
- in den Unteren Berglagen 140 - 150 Tage.
Frost- und Eistage verteilen sich folgendermaßen (SÜSS 1993):
| Frosttage | Eistage | |
| Kammlagen | über 150 | über 70 |
| Höhere und Mittlere Berglagen | 130 - 150 | 50 - 70 |
| Untere Berglagen | 120 - 130 | 40 - 50 |
Windverhältnisse
Die Hauptwindrichtung ist Südwest. Häufig treten auch Nordwest-, West- und Südwinde auf. Westwetterlagen herrschen somit vor. Winde aus nördlichen und südöstlichen Richtungen sind selten. Die aufsteigenden Luftmassen aus westlichen Richtungen stauen sich am Gebirge und werden zum Aufstieg und damit zur Abkühlung gezwungen (Stau-Luv). Als Folge tritt in den höheren Lagen Nebel (Kondensation) auf, häufig folgt das Abregnen der Wolken. Auf der Leeseite erwärmen sich die Luftmassen bei ihrem Abstieg. Dabei erhöht sich ihre Geschwindigkeit und eine Art Düsenwirkung (Föhn) tritt ein. Die Luv- und Lee-Erscheinungen werden umso deutlicher, je höher und breiter die "Barriere" ist. Daraus folgt, dass diese Effekte mit steigender Höhe und im Bereich mit ausgeprägtem Gebirgskamm (Schmücke) sowie im Bereich des "breiten" Schiefergebirges verstärkt sind. Die Windstärke nimmt somit beim Überqueren des Gebirges von SW nach NO zu. Nach der BEAUFORTSKALA liegt die durchschnittliche Windstärke in Schleusingen bei 9,0 BEAUFORT (etwa 20,8 m/s), im kammnahen Bereich der Schmücke bei 9,9-10,0 BEAUFORT (etwa 24,4/24,6 m/s) und am Nordrand des Gebirges bei Elgersburg (außerhalb des BR) bei 11,8 BEAUFORT (etwa 32,2 m/s). Diese Erscheinung kann verallgemeinert werden, sie wird als Mittelgebirgsföhn bezeichnet.
Luftfeuchtigkeit
Die relative Luftfeuchtigkeit, die durchschnittliche Zahl der Nebeltage und der durchschnittliche Bewölkungsgrad weisen zwischen dem Gebirgskamm und den nördlichen sowie südlichen Randgebieten deutliche Unterschiede auf. In den Kammlagen tritt häufig ein ca. 10 km breites Band von sehr starken Bewölkungsgraden (7,0/10-7,4/10) auf. Es befindet sich etwa zu 8 km auf der südlichen und zu 2 km auf der nördlichen Seite des Rennsteigs (Süden/Staubereich/Luv). Diese Bewölkungsunterschiede sind vor allem im Winter erheblich. Die Situation der Nebeltage ist ähnlich. Die Häufigkeit der Nebeltage steigt oberhalb 500 m rasch an oberhalb 600 m erreicht sie 100 Tage/Jahr (Schmücke 150 Tage/Jahr). Die relative Luftfeuchtigkeit liegt auf der Schmücke im Sommer bei etwa 74%, im Winter bei über 90%. Die Stationen an den Gebirgsrändern weisen niedrigere Werte auf, die Verhältnisse am Nord- und Südrand sind ähnlich. Im Herbst und Winter sind die Werte der Stationen südlich des Gebirges höher.
Niederschlag
Über die Niederschlagsverhältnisse des Mittleren Thüringer Waldes liegen aufgrund des dichten Messnetze, eine Vielzahl von Messungen vor. Die Niederschläge der höchsten Erhebungen liegen bei über 1300 mm/a. Mit Abnahme der Höhe sinkt auch die Niederschlagsmenge. Sie beträgt in dem - den Kamm umschließenden Bereich von Schmiedefeld (720 mNN); Frauenwald (760 mNN) und Stützerbach (615 mNN) noch über 1000 mm/a. Die Niederschläge sinken nicht linear mit abnehmender Höhe. Die Abstufung erfolgt an der Nordseite, dem Leebereich des Gebirges, schneller als im südlich des Gebirges gelegenen Luvbereich.
Es zeigt sich, dass keine feste Korrelation zwischen Höhe und Niederschlag besteht, sondern vielmehr die klimabestimmenden Wetterlagen z.T. beträchtliche Abweichungen hervorrufen. Diese Effekte werden von den exponierten Teilen des Kammes in ihrer Asymmetrie noch verschärft und in den Passlagen abgeschwächt (vgl. Luv/Lee-Effekt). Von dieser relativ allgemeinen Aussage treten Abweichungen auf. Aufgrund des Reliefs empfangen die Gebirgstäler fast eben so viele Niederschläge wie die sie umgebenden Höhen.
Es werden 3 Niederschlagstypen unterschieden:
- ein Mittelgebirgs- oder Winterniederschlagstyp mit den Hauptmaximum im Winter und einem hohen Herbstanteil auf der Luvseite (z.B. Schmiedefeld, Schmücke, Frauenwald und Stützerbach)
- ein Sommerniederschlagstyp mit Sommermaximum und hohem Frühjahresanteil auf der Leeseite (z.B. Gabelbach und Gehren)
- ein Übergangstyp (Passlagen wie z.B. Neustadt a.Rstg.)
Die reliefabhängigen Winterniederschläge sind eine Folge der vor allem in dieser Jahreszeit häufigen Westwetterlagen. Die für die Vegetation wichtigen Sommerniederschläge weisen wesentlich geringere Differenzen auf als die Winterniederschläge.
Die Zunahme der winterlichen Schneedeckentage beträgt 13 Tage je 100 m Höhengewinn. Die maximale Schneehöhe wird im Februar erreicht. Zu den "schneefesten Lagen", mit einer Schneehöhe von häufig über 1m, gehören Gebiete mit über 1200 mm Niederschlag /Jahr. Diese Tatsache kann im Bereich von über 600 mNN in Verbindung mit Eisanhang und Sturm zu erheblichen Bruchschäden führen (1981/82). Die in den oberen Höhenlagen lange bis ins Frühjahr liegende Schneedecke führt hier zu einem nur langsamen Temperaturanstieg, und somit zu einem relativ späten Beginn der Vegetationsperiode.
Temperaturverhältnisse
Wie beim Niederschlag bestehen auch bei den Temperaturverhältnissen im Gebiet sehr große Differenzen. Die Jahresdurchschnittstemperaturen schwanken zwischen 4°C und 7°C. Die 7,0°C- Jahresisotherme wird im Gebiet nie deutlich überschritten.
Extrem tiefe Jahrestemperaturen unter 5°C weisen die über 850 m ü. NN gelegenen Teile im Bereich Beerberg, Schmücke, Finsterberg auf. Alle übrigen Lagen weisen Durchschnittstemperaturen von 5°C - 6°C auf.
Die Durchschnittswerte der Temperatur während der Vegetationsperiode (Mai-September) schwanken zwischen 10,8°C an der Schmücke und 19,9°C bei Schleusingen (südliches Vorland) sowie 13,7°C bei Elgersburg. (nördliches Vorland)
*Ringler, Alfred (1999): Fachgutachten zum Rahmenkonzept Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald. – Entwurf eines unveröffentlichen Gutachtes (Stand Sommer 1999) im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Erfurt

