
Schneeinsekten
„Schneeinsekten“ sind keine eigene Gattung, sondern ein Sammelbegriff für Insekten, deren Hauptteil ihrer Lebensspanne sich während der kalten Jahreszeit abspielt. Man kann sagen, dass die Imaginalzeit und ihre Fortpflanzung hauptsächlich oder auch größtenteils während der Wintermonate stattfinden.
Typische „Schneeinsekten“ im Gebiet sind der Winterhaft (Boreus westwoodi) und die Schneeschnake (Chionea lutescens).
Daneben finden sich aber auch andere Insekten, die an milden Wintertagen auf der Schneeoberfläche angetroffen werden. Diese leben im Winter unter Steinen, Laub oder Moosen und verlassen diese Verstecke über Risse in der Schneedecke entlang von Bächen oder an Baumstümpfen. Zu ihnen zählen einige Arten der Springschwänze (Collembola), Käferlarven, Wanzen, Mücken, Fliegen, Zikaden, u. a.
Auch unter den Spinnen gibt es einige Vertreter, die dem aufmerksamen Wanderer im Winter auf der Schneeoberfläche begegnen können. Es sind oftmals sehr kleine Tiere aus der Familie der Baldachinspinnen. Selbst bei Temperaturen von -6°C können diese Spinnen noch aktiv auf dem Schnee umherlaufen. Mit viel Glück läuft Ihnen vielleicht auch ein Afterskorpion vor die Füße.
An Wintertagen mit Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt (Tauwetter), wolkenverhangenem Himmel und diesigem, nebligem Wetter lassen sich „Schneeinsekten“ am besten beobachten. Der Schnee muss sich zusammenpappen lassen. Besonders auf Waldwegen entlang von Bächen, mit Quellaustritten am Wegesrand, Böschungskanten und mit freistehenden bemoosten Baumstümpfen kann man Winterhaften, Schneeschnaken, Springschwänzen, anderen Insekten und sogar Spinnen begegnen.
Der Winterhaft (Boreus westwoodi)
Er gehört zu den Schnabelfliegen (Mecoptera) und ist ein typisches „Schneeinsekt“.
Wird manchmal auch als „Schneefloh“ bezeichnet.
Die voll entwickelten Tiere leben von Oktober bis März/April. Ihr eigentlicher Lebensraum ist das Moos, von dem sie sich ernähren, aber auch tierische Nahrung annehmen. Beide Geschlechter sind infolge einer sehr langen Spezialisierung an ihre Lebensweise flugunfähig und der Kopf ist schnabelähnlich nach unten ausgezogen. Sie sind 3,5 mm groß und dunkelbräunlich bis bronzeglänzend gefärbt. Das Männchen besitzt an Stelle der Flügel hakenförmige Gebilde, die während der Fortpflanzung benötigt werden. Während der Paarung trägt das Männchen das Weibchen auf dem Rücken. Die Paarung sowie die Eiablage finden ausschließlich im Winter statt. Die Larven leben im Boden mit einer zweijährigen Entwicklungszeit und ernähren sich von pflanzlichen Substanzen. Bei einer Flucht können die Tiere 20 bis 30 cm weit springen und stellen sich nach dem Aufkommen tot.
Die Schneeschnake, Schneefliege (Chionea)
Die Schneeschnake gehört zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera) und ist im Winter regelmäßig auf der Schneeoberfläche anzutreffen, aber meist einzeln.
Unverwechselbar für dieses Tier ist sein spinnenartiger Gang auf sechs Beinen.
Die Schneeschnake ist etwa 4 mm lang und am ganzen Körper behaart. Beide Geschlechter sind flügellos, besitzen aber am Brustkörper das für Schnaken typische Schwingkölbchen. Die Larven leben in der Erde und ernähren sich von zersetzendem Laub. Am häufigsten sind die Tiere von Dezember bis Februar anzutreffen.
Quelle:
Strübing, Hildegard (1958): Schneeinsekten.– Die Neue Brehm-Bücherei, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg-Lutherstadt
Aktuelles
Veranstaltungen
Derzeit keine Veranstaltungen

